Die 53 Stationen · 1833/34 · von Edo nach Kyōto
Eine Straße, dreiundfünfzig Wetter. Hiroshige verwandelte eine Reisestraße in die meistverkaufte Bildserie der Edo-Zeit — und machte die Landschaft zum eigenen Thema des Holzschnitts.
Scrollen, um die Reise zu beginnen ↓Der Startpunkt der Tōkaidō im Herzen von Edo. Frühmorgens setzt sich der Zug der Reisenden in Bewegung — vor ihnen liegen 53 Stationen.
Geboren 1797 in Edo als Andō Tokutarō, war Hiroshige der einzige Sohn einer rangniedrigen Samurai-Familie, die dem Tokugawa-Shōgunat als Feuerwart (jōbikeshi-dōshin) diente.
Um 1811 — das genaue Jahr schwankt in den Quellen — kam er zum Atelier von Utagawa Toyohiro. Eine Bewerbung beim mächtigeren Kabuki-Porträtmeister Toyokuni war zuvor gescheitert. Toyohiro pflegte ein Interesse an der damals noch unbedeutenden Landschaftsdarstellung — und gab es seinem Schüler weiter. Nach etwa einem Jahr erhielt dieser den Künstlernamen Hiroshige.
Er gilt heute als der „letzte große Meister" des Ukiyo-e. Wo Hokusai der Meister von Berg und Welle war, wurde Hiroshige der Meister der Reise und des Wetters.
Die Tōkaidō („Ostmeer-Straße") verband das De-facto-Machtzentrum Edo mit der Kaiserstadt Kyōto entlang der Pazifikküste — die belebteste der fünf großen Reichsstraßen (Gokaidō).
Befeuert wurde der Verkehr vom System sankin-kōtai: Die Regionalfürsten (Daimyō) mussten in wechselnden Jahren mit großem Gefolge nach Edo reisen. Das trieb den Ausbau von Herbergen, Teehäusern, Fähren und Pass-Stationen. Die 53 Poststationen boten Unterkunft, Pferdewechsel und lokale Spezialitäten.
1832 reiste Hiroshige in einer offiziellen Delegation, die dem Kaiserhof zeremonielle Pferde überbrachte, die Tōkaidō entlang. Die Landschaft beeindruckte ihn tief; unterwegs entstanden zahlreiche Skizzen, aus denen er nach der Rückkehr in Edo die Serie schuf.
Verlegt wurde die Folge zunächst gemeinsam von den Häusern Hōeidō (Takenouchi Magohachi) und Senkakudō (Tsuruya Kiemon); die Folgeblätter besorgte allein Hōeidō — daher der Name „Hōeidō-Tōkaidō". Das horizontale ōban-Querformat (yoko-e) passt formal zur horizontalen Reise.
Ein Einzelblatt kostete etwa so viel wie ein Paar Strohsandalen oder eine Schale Suppe: Kunst für den Alltag, nicht nur für Sammler. Die Serie etablierte — kurz nach Hokusais 36 Ansichten des Berges Fuji — die Landschaft (fūkei-ga) als eigenständiges Hauptthema des Ukiyo-e.
Ein mehrfarbiger Holzschnitt (nishiki-e, „Brokatbild") entstand nicht von einer Hand, sondern in arbeitsteiliger Werkstatt — eine Druckplatte je Farbe. Klicken Sie die Platten der Reihe nach, um das fertige Blatt entstehen zu sehen.
Hell → dunkel, klein → groß: jede Farbe ein eigener Druckgang. Der schwarze Schlüsselblock (omohan) liegt zuletzt.
Bokashi ist die Technik des Farbverlaufs — und sie ist eine Drucktechnik, keine Mal-Lasur. Der Drucker trägt die Farbe ungleichmäßig auf den Block auf und verwischt sie mit feuchtem Pinsel, sodass sie von gesättigt zu blass verläuft.
So entstehen Hiroshiges Himmel, sein Regen (feine, schräge Schraffuren), seine Nebel und sein Schnee. Oft wurde dieselbe Fläche mehrfach überdruckt — bokashi ist arbeitsintensiv, dafür atmosphärisch. Die Stimmung kommt aus dem Handwerk des Druckers, nicht aus dem Pinsel des Künstlers.
Nach der Öffnung der japanischen Häfen gelangten Ukiyo-e-Drucke nach Europa und lösten den Japonisme aus — eine Begeisterung, die Impressionisten und Postimpressionisten prägte.
Vincent van Gogh malte 1887 in Paris Ölkopien zweier Blätter aus Hiroshiges 100 berühmten Ansichten von Edo: den Regenguss über der Shin-Ōhashi-Brücke und den Pflaumengarten in Kameido. Er reproduzierte die Komposition genau, steigerte aber die Farben und ersetzte Hiroshiges Grautöne durch kräftige Töne. Claude Monet sammelte Hiroshige-Drucke; sie hängen bis heute in Giverny.
Was van Gogh bewunderte, sind genau die Mittel dieser Seite: die angeschnittene Komposition, große Flächen reiner Farbe mit starken Konturen, die flache, dekorative Farbigkeit und diagonale Kompositionslinien — etwa der schräge Regen von Shōno.
Die folgenden Bilder sind keine echten Holzschnitte, sondern Stimmungsbilder im Seiten-Stil.
Von Nihonbashi in Edo bis Sanjō-Ōhashi in Kyōto — ~514 km, 13–17 Tage zu Fuß, 53 Stationen. Fünf charakteristische Wetterstimmungen der Serie: