Essay · Stadt
Das Vestibül ist tot, es lebe der Hauseingang
Warum der Flur zwischen Haustür und Treppenhaus der unterschätzteste Raum des Wohnungsbaus ist — und was Wien, Lissabon und Osaka besser machen.
Zwischen Tür und Straße, zwischen privat und öffentlich liegt ein Raum, den keine Bauordnung kennt. KONTUR №18 widmet sich den Schwellen unserer Städte — Hauseingängen, Höfen, Passagen — und fragt, warum die besten Orte oft die sind, die niemand geplant hat.
Essay · Stadt
Warum der Flur zwischen Haustür und Treppenhaus der unterschätzteste Raum des Wohnungsbaus ist — und was Wien, Lissabon und Osaka besser machen.
Fotostrecke · Geschichte
Glasgedeckte Gänge versprachen im 19. Jahrhundert eine Stadt ohne Wetter. Eine Spurensuche in Leipzig, Mailand und Brüssel — und ein Plädoyer gegen die Mall.
Reportage · Handwerk
Terrazzo, Messing, Lincrusta: Ein Besuch bei den letzten Werkstätten, die Treppenhäuser der Gründerzeit restaurieren können — und wollen.
Feuilleton · Alltag
Der Späti ist Nachbarschaftszentrum, Nachrichtenbörse und Wartezimmer zugleich. Über eine Institution, die mehr Stadtplanung leistet als manches Quartiersbüro.
Essay · Stadt
Kein Raum wird so achtlos geplant und so intensiv genutzt wie der Hauseingang. Dabei entscheidet sich hier, ob ein Haus zur Adresse wird — oder bloß zur Nummer.
Wer in einem Mietshaus der Gründerzeit wohnt, kennt das Ritual: Die schwere Tür fällt ins Schloss, das Licht springt an, und für einen Moment steht man in einem Raum, der niemandem gehört und allen. Hier stapeln sich Pakete, hier hängt seit Jahren derselbe Zettel der Hausverwaltung, hier grüßt man Nachbarinnen, deren Namen man nie erfahren wird. Der Hauseingang ist die kleinste öffentliche Bühne der Stadt — und im Neubau ist sie auf das Format eines Briefkastenraums geschrumpft.
Die Gründe sind banal und deshalb so hartnäckig: Erschließungsfläche gilt im Wohnungsbau als tote Fläche. Jeder Quadratmeter, der nicht vermietet wird, erscheint in der Kalkulation als Verlust. Also werden Eingänge zu Schleusen optimiert, gerade breit genug für den Kinderwagen, gerade hell genug für die Norm. Was dabei verloren geht, taucht in keiner Tabelle auf: der Ort, an dem aus Bewohnern eine Hausgemeinschaft werden könnte.
Dass es anders geht, zeigt ein Blick nach Wien. Im geförderten Wohnbau der Stadt sind Eingangshallen seit den Zwanzigerjahren Verhandlungsmasse der Würde: Der Karl-Marx-Hof empfängt seine Bewohner mit Bögen, durch die ein Lastwagen passt. Neuere Projekte wie das Sonnwendviertel übersetzen diese Geste in Sitznischen, Fahrradrampen und Durchblicke in begrünte Höfe. Die Botschaft ist dieselbe geblieben: Wer hier wohnt, wird nicht abgefertigt, sondern empfangen.
Jahresabo 64 € inkl. Versand · jederzeit kündbar · keine Werbung, nie.