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Ausgabe achtzehn Schwellenräume Berlin · München · Wien

Schwellen, die bleiben

Zwischen Tür und Straße, zwischen privat und öffentlich liegt ein Raum, den keine Bauordnung kennt. KONTUR №18 widmet sich den Schwellen unserer Städte — Hauseingängen, Höfen, Passagen — und fragt, warum die besten Orte oft die sind, die niemand geplant hat.

Erscheint
Vierteljährlich, gedruckt auf Munken Pure 120 g/m²
Umfang
164 Seiten, 7 Essays, 3 Fotostrecken, 1 Gespräch
Diese Ausgabe
Juni — August 2026 · 18 €

In dieser Ausgabe

Vier von sieben Beiträgen — vollständiges Inhaltsverzeichnis ab Seite 6

Leitartikel

Helene Brandt ist Architektin und schreibt über Wohnungsbau, zuletzt erschien „Der lange Flur“ (Spector Books, 2025).


Lesezeit 14 Min.

Essay · Stadt

Das Vestibül ist tot,
es lebe der Hauseingang

Kein Raum wird so achtlos geplant und so intensiv genutzt wie der Hauseingang. Dabei entscheidet sich hier, ob ein Haus zur Adresse wird — oder bloß zur Nummer.

Wer in einem Mietshaus der Gründerzeit wohnt, kennt das Ritual: Die schwere Tür fällt ins Schloss, das Licht springt an, und für einen Moment steht man in einem Raum, der niemandem gehört und allen. Hier stapeln sich Pakete, hier hängt seit Jahren derselbe Zettel der Hausverwaltung, hier grüßt man Nachbarinnen, deren Namen man nie erfahren wird. Der Hauseingang ist die kleinste öffentliche Bühne der Stadt — und im Neubau ist sie auf das Format eines Briefkastenraums geschrumpft.

Die Gründe sind banal und deshalb so hartnäckig: Erschließungsfläche gilt im Wohnungsbau als tote Fläche. Jeder Quadratmeter, der nicht vermietet wird, erscheint in der Kalkulation als Verlust. Also werden Eingänge zu Schleusen optimiert, gerade breit genug für den Kinderwagen, gerade hell genug für die Norm. Was dabei verloren geht, taucht in keiner Tabelle auf: der Ort, an dem aus Bewohnern eine Hausgemeinschaft werden könnte.

Dass es anders geht, zeigt ein Blick nach Wien. Im geförderten Wohnbau der Stadt sind Eingangshallen seit den Zwanzigerjahren Verhandlungsmasse der Würde: Der Karl-Marx-Hof empfängt seine Bewohner mit Bögen, durch die ein Lastwagen passt. Neuere Projekte wie das Sonnwendviertel übersetzen diese Geste in Sitznischen, Fahrradrampen und Durchblicke in begrünte Höfe. Die Botschaft ist dieselbe geblieben: Wer hier wohnt, wird nicht abgefertigt, sondern empfangen.

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