I Der Berg über der Donau
Wo Ungarn begann
Die Basilika krönt den Burgberg (Várhegy) am rechten Ufer der Donau, dort, wo der Fluss die Grenze zur Slowakei zieht. Gegenüber liegt Štúrovo (Párkány), verbunden durch die Mária-Valéria-Brücke (1895; 1944 zerstört, 2001 wiederaufgebaut). Rund 46 km nordwestlich von Budapest.
Esztergom — deutsch Gran — war erste Hauptstadt des Königreichs Ungarn vom 10. bis Mitte des 13. Jahrhunderts, bis Béla IV. den Sitz nach Buda verlegte. Hier wurde um 975 der heilige Stephan (Szent István) geboren; 1001 entstand das erste ungarische Erzbistum. Bis heute ist Esztergom Sitz des Primas von Ungarn.
II Maße eines Berges
Ein Bauwerk wie ein Gebirge
Zahlen, die man kaum fasst, bis man unter der Kuppel steht — und der Nachhall eines Wortes über neun Sekunden lang im Raum bleibt.
47 Jahre Bauzeit, 1822–1869 — und am Ende ein Innenraum von 5.600 m² im Stil des Klassizismus.
III Die Himmelfahrt
Der Bau ist ein Aufstieg
Die Basilika ist Mariä Himmelfahrt geweiht — und genau das tut sie: sie steigt auf. Scrolle hinauf, von der dunklen Krypta durch den Säulenraum, am weltgrößten Altarbild vorbei, in die Kuppel und ins Licht des Oculus.
Die Ankunft im Licht
Durch die Laterne über der Kuppel flutet warmes Weiß herein. Hier endet der Aufstieg — im Licht.
Zwölf Fenster, 71,5 Meter
Die Kassettierung steigt zum Oculus auf; durch zwölf Fenster fällt das Licht in den 71,5 m hohen Raum.
Vor dem grössten Altarbild
Über dem Hauptaltar erhebt sich Grigolettis Mariä Himmelfahrt — 13,5 Meter hoch, auf einer einzigen Leinwand.
Durch die Säulenordnung
Klassizistische Ruhe: gerade Säulen, klare Proportion. Der Boden weicht, das Licht wächst.
Im Dunkel beginnt der Weg
Die ägyptisierende Grablege der Primaten (1831) — der untere Pol des Aufstiegs. Von hier geht es nach oben.
IV 47 Jahre Bau · 1822–1869
Vier Architekten, ein Aufstieg
Begonnen unter Primas Sándor Rudnay, vollendet zwei Generationen später — der Bau überdauerte seine Baumeister.
Grundsteinlegung · 23. April
Primas Sándor Rudnay initiiert den Neubau. Erster Entwurf von Pál Kühnel († 1824).
János Packh — Bauleitung
Packh führt den Bau und versetzt 1823 die Bakócz-Kapelle in den Neubau. 1839 ermordet.
József Hild — der Klassizismus
Hild († 1867) vollendet Bau und Kuppel in strenger klassizistischer Form; später besorgt József Lippert das Innere.
Fertigstellung · 1. November
Nach 47 Jahren ist der Bau vollendet — die größte Kirche Ungarns.
V Die Weihe · 31. August 1856
Liszt und die Graner Messe
Zur Weihe der Basilika unter Primas János Scitovsky komponierte Franz Liszt in dessen Auftrag die Missa solennis — die „Graner Messe" (nach Grans deutschem Namen für Esztergom).
Liszt dirigierte die Uraufführung selbst, am 31. August 1856 im neuen Raum; an der Orgel saß Alexander Winterberger. Der über neun Sekunden lange Nachhall machte den Bau zum Instrument.
Querbezug: Eine eigene Wissensseite zu Liszt Ferenc ist in Vorbereitung.
„Esztergomi mise" — die Musik steigt mit dem Raum auf.Franz Liszt · Missa solennis · S. 9 · 1856
VI Das größte Bild auf einer Leinwand
13,5 Meter Himmelfahrt
Das Altarbild der Mariä Himmelfahrt malte Michelangelo Grigoletti († 1870) nach Tizians „Assunta" — rund 13,5 × 6,6 m. Es gilt als das größte Gemälde der Welt, das auf einer einzigen Leinwand gemalt wurde.
Wie hoch ist das? Stelle einen Menschen daneben.
VII Die Bakócz-Kapelle · 1506
Das rote Juwel der Renaissance
In rotem Süttő-Marmor ließ Erzbischof Tamás Bakócz 1506–1507 eine toskanisch geprägte Frührenaissance-Kapelle errichten — sie gilt als das bedeutendste Renaissance-Denkmal Ungarns.
Sie ist der einzige große Rest der mittelalterlichen Kathedrale: 1823 wurde sie in rund 1.600 Teile zerlegt, etwa 17 m versetzt und rund 8 m höher in den klassizistischen Neubau integriert.
VIII Die Krypta
Der untere Pol — die Grablege
Unter dem Bau liegt die Krypta (1831), in ägyptisierendem Stil gehalten — die Grablege der Erzbischöfe und Primaten Ungarns. Hier hat der Aufstieg seinen Anfang: aus dem kühlen Stein der Gruft hinauf ins Kuppellicht.
Kardinal József Mindszenty (1892–1975)
Symbolfigur des Widerstands gegen das kommunistische Regime. Am 4. Mai 1991 wurde er in der Krypta von Esztergom wiederbestattet.