Übersicht
Die Frauenkirche zu Dresden bei Nacht auf dem Neumarkt, ihre barocke Sandsteinkuppel warm angestrahlt vor tiefblauem Himmel.

Stein für Stein

Frauenkirche

George Bähr 1726–1743 zerstört 1945 wiedergeweiht 2005

Eine Kirche, die aus ihren eigenen Trümmern wieder zusammengesetzt wurde — und dabei zum Zeichen der Versöhnung wurde.

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Bährs Wagnis · 1726–1743

Die Steinerne Glocke

Der Ratszimmermeister George Bähr wölbte über dem Neumarkt etwas, das es so nirgends gab: eine glockenförmige Kuppel ganz aus Elbsandstein — nach innen geschwungen, ohne stützendes Eisengerippe. In dieser steinernen Bauart ist sie weltweit einzigartig.

Die „Steinerne Glocke" wiegt rund 9.000 bis 12.000 Tonnen und misst außen 26,15 Meter im Durchmesser. Mit dem Turmkreuz ragt die Kirche 91,23 Meter in den Dresdner Himmel — barocker Bürgerstolz in Stein gegossen.

Gottfried Silbermann baute 1732–1736 die Orgel. Am 1. Dezember 1736 spielte Johann Sebastian Bach auf ihr ein etwa zweistündiges Konzert.

26,15m
Außen­durchmesser der Kuppel
~12.000t
Gewicht der Steinernen Glocke
91,2m
Gesamthöhe mit Turmkreuz
Der helle barocke Innenraum der Frauenkirche mit Altar und der Silbermann-Orgel über der Empore.
Der barocke Innenraum mit Altar und Silbermann-Orgel. Foto: Heribert Pohl, CC BY-SA 2.0 (bearbeitet).
Atmosphärische Darstellung eines stillen Trümmerfelds aus verwittertem Sandstein bei Nacht — eine KI-Illustration, keine historische Aufnahme.

Der Bruch

15. Februar 1945

gegen 10 Uhr vormittags

Nach dem Luftangriff auf Dresden war die Kirche ausgebrannt. Die Hitze des Feuersturms ließ den Sandstein der Innenpfeiler abplatzen, bis sie nachgaben. Die Steinerne Glocke stürzte in sich zusammen.

Zurück blieben zwei Mauerstümpfe und ein Berg aus Trümmern.

1945 – 1990

Vierzig Jahre Mahnmal

Über vier Jahrzehnte blieb der Trümmerberg liegen — mitten in der Stadt, ein stilles Mahnmal gegen den Krieg. Geborgene Steine wurden gesichert und gelagert; sie warteten.

Nach der Friedlichen Revolution erhob sich der „Ruf aus Dresden" (12./13. Februar 1990) — eine Bürgerinitiative um den Trompeter Ludwig Güttler und den Zahnarzt Günter Voigt. Ihr Wunsch: nicht länger nur Ruine bewahren, sondern wieder aufbauen.

Die Steine warteten vierzig Jahre auf ihre Rückkehr an den eigenen Platz."

Enttrümmerung ab 4. Januar 1993 · Grundsteinlegung 27. Mai 1994

Die Signatur · Anastylose

Das steinerne Puzzle

Scrollen Sie weiter — und die Frauenkirche fügt sich aus ihren Trümmern wieder zusammen.

Jeder geborgene Stein kehrt an seinen Originalplatz zurück — die dunklen Altsteine ins helle neue Mauerwerk.

1993
Originalsubstanz 0 %
Enttrümmerung
Außenansicht der Frauenkirche heute: die gesprenkelte Fassade, in der dunkle Originalsteine im hellen neuen Elbsandstein sitzen.
Die heutige Fassade: dunkle Originalsteine im hellen Neubau — das echte gesprenkelte Muster. Foto: Heribert Pohl, CC BY-SA 2.0 (bearbeitet).

Die Methode

Ein Gedächtnis aus Stein

Der Wiederaufbau war eine archäologische Rekonstruktion, eine Anastylose: Jeder geborgene Stein wurde vermessen, fotografiert, in einer Datenbank katalogisiert und seine ursprüngliche Lage am Bau per CAD rekonstruiert — ein dreidimensionales Puzzle aus mehreren tausend Werksteinen.

Rund 43 % der Außenhaut sind Originalsubstanz. Man erkennt sie an ihrer dunklen Farbe — und hier liegt ein verbreiteter Irrtum:

Kein Ruß, sondern Patina

Das Dunkel der Altsteine ist nicht der Brandruß von 1945, sondern natürliche Patina: Über Jahrzehnte oxidiert der Eisenanteil des Sandsteins und dunkelt nach.

Der neue Stein stammt aus demselben Elbsandsteingebirge — härterer Postaer Sandstein für die tragenden Teile. Er ist heute noch hell, wird in den kommenden Jahrzehnten aber ebenfalls nachdunkeln. Die Naht heilt mit der Zeit.

Originalstein (~43 %) Neuer Elbsandstein

Die Versöhnung wird konkret

Das goldene Turmkreuz

Das neue Turmkreuz — das Kreuz selbst rund 4,6 Meter hoch (mit Strahlenaufsatz werden teils auch ~8 m genannt) — ist eine britische Spende, über den Dresden Trust finanziert und in London bei Grant Macdonald gefertigt. Geschmiedet hat es der Silberschmied Alan Smith, dessen Vater nach Darstellung der Frauenkirche als RAF-Bomberpilot am Angriff auf Dresden beteiligt war. Übergeben am 13. Februar 2000 durch den Duke of Kent, aufgesetzt am 22. Juni 2004.

Das neue vergoldete Turmkreuz auf der Laterne der Frauenkirche gegen den Himmel.
Das neue, vergoldete Turmkreuz auf der Laterne — die britische Spende. Foto: Foto Fitti, CC BY-SA 3.0 (bearbeitet).
Das verbogene Originalkreuz, aus den Trümmern geborgen und heute im Inneren der Kirche ausgestellt.
Das verbogene Originalkreuz, aus den Trümmern geborgen, steht heute im Inneren. Foto: Fototravel, CC BY-SA 3.0 (bearbeitet).
Das Nagelkreuz von Coventry in der Frauenkirche — aus drei mittelalterlichen Zimmermannsnägeln gebildet.
Das Nagelkreuz von Coventry. Foto: Mirage F.1, CC BY-SA 3.0 de (bearbeitet).

Versöhnung

Coventry wurde 1940 von deutschen Bomben zerstört, Dresden 1945. Heute verbindet beide Städte das Nagelkreuz — und die Frauenkirche, wiedererrichtet aus Spenden aus aller Welt, steht als internationales Hoffnungszeichen.

Wiedergeweiht · 30. Oktober 2005