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Hohe Domkirche St. Petrus zu Köln

KÖLNERDOM

1248 — 1880
Sechshundertzweiunddreißig Jahre Bauzeit
Das längste Bauwerk der deutschen Geschichte

Ein Stein, gesetzt 1248.
Der letzte, gesetzt 1880.

Zwischen diesen beiden Steinen liegen 632 Jahre. Generationen von Steinmetzen wurden geboren und starben, ohne den Dom je vollendet zu sehen. Reiche entstanden und zerfielen. Und über dem unfertigen Torso stand mehr als ein halbes Jahrtausend lang ein hölzerner Kran — das stillste Wahrzeichen, das eine Stadt je hatte.

Scrollen Sie weiter: Der Dom wächst mit Ihnen. Chor, Langhaus, dann die beiden Türme, die in den Himmel steigen — so, wie er wirklich gebaut wurde.

Der Anlass · 1164

Drei Könige,
nach Köln gebracht.

Im Jahr 1164 überführte Erzbischof Rainald von Dassel, der Kanzler Kaiser Friedrich Barbarossas, die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem eroberten Mailand nach Köln. Mit einem Schlag wurde die Stadt zu einem der bedeutendsten Pilgerorte Europas.

Für diese Reliquien entstand zwischen den 1180er und 1230er Jahren der Dreikönigenschrein — maßgeblich vom Goldschmied Nikolaus von Verdun. Er ist bis heute das größte erhaltene Goldschmiedewerk des hohen Mittelalters und der größte Reliquienschrein des Abendlandes.

Ein solcher Schatz verlangte ein würdiges Haus. Der alte Dom genügte nicht mehr. Man beschloss, die größte gotische Kathedrale nördlich der Alpen zu errichten — eine Vision, die niemand der Lebenden vollenden würde.

Der Bau · Etappe für Etappe

Sechs Jahrhunderte
in Stein.

Die Silhouette über dieser Seite folgt genau dieser Reihenfolge — von unten nach oben, vom Osten in den Himmel.

124815. August

Die Grundsteinlegung

Erzbischof Konrad von Hochstaden legt den Grundstein, nachdem der romanische „Alte Dom" kurz zuvor abgebrannt war. Erster Dombaumeister wird Meister Gerhard. Begonnen wird im Osten, am Chor.

1322Chorweihe

Der Chor wird geweiht

Nach 74 Jahren ist der Chor vollendet und geweiht — der älteste fertige Teil des Doms, hochgotisch, lichtdurchflutet. Der Dreikönigenschrein zieht hierher. Doch das ist erst der Anfang.

15./16.Jahrhundert

Der Bau gerät ins Stocken

Am Südturm werden 1437 Glocken eingehängt; um 1473 kommen die Turmarbeiten schrittweise zum Erliegen. Spätestens um 1528/1560 ruht der Bau vollständig. Es folgen rund 300 Jahre Stillstand — der Dom bleibt ein gewaltiger Torso.

18424. September

Die Wiederaufnahme

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen legt den Grundstein zur Fortsetzung. Möglich macht es der Fund der mittelalterlichen Originalpläne (Fassadenriss F) — man baut originalgetreu weiter. Dombaumeister ist Ernst Friedrich Zwirner.

1863Langhaus

Das Langhaus ist vollendet

Erstmals ist der Dom innen durchgehend begehbar. 1868 wird der mittelalterliche Baukran abgebrochen — nun können die Türme endlich hochgezogen werden.

188015. Oktober

Die Vollendung

Im Beisein von Kaiser Wilhelm I. wird der Dom vollendet. Gesamtbauzeit: 632 Jahre. Für die nächsten vier Jahre ist er das höchste Gebäude der Welt.

Der Stillstand · ~300 Jahre

Ein Kran,
der zum Wahrzeichen wurde.

Drei Jahrhunderte lang ragte der Dom als unfertiger Torso über Köln: der Chor fertig, das Langhaus halbhoch, der Südturm nur ein Stumpf. Und auf diesem Stumpf stand ein hölzerner Drehkran.

Errichtet in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, über 25 Meter hoch, angetrieben von einem Tretrad — Menschen liefen im Laufrad und hoben so die Steine. Tatsächlich in Betrieb war er nur etwa 50 Jahre. Doch als Wahrzeichen prägte er die Kölner Stadtsilhouette über 500 Jahre lang; schon eine Zeichnung Jan van Eycks von 1437 zeigt den Turm mit dem Kran.

Erst ab dem 29. Februar 1868 wurde er abgebrochen — Ende März war er verschwunden. Der Weg zum Himmel war frei.

Historische Aufnahme von 1865: der unvollendete Kölner Dom, auf dem Stumpf des Südturms steht der mittelalterliche hölzerne Baukran.
Der Südturm mit dem mittelalterlichen Baukran, 1865 — kurz vor dem Abbruch. Aufnahme: J. H. & Th. Schönscheidt (Public Domain).
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Höhe & Maßwerk

157 Meter,
nach oben gezogen.

Zwei Türme, jeder über 157 Meter hoch (nach moderner Lasermessung Südturm 157,22 m, Nordturm 157,18 m). Von 1880 bis zur Vollendung des Washington Monuments 1884 war der Kölner Dom das höchste Gebäude der Welt.

Die ganze Sprache der Hochgotik dient einem Ziel: den Blick nach oben zu ziehen. Strebewerk, Spitzbögen, filigranes Maßwerk und riesige Glasfenster lösen die Mauer in Licht auf. Die Fensterrose ist ihr vollkommenster Ausdruck — Geometrie als Gebet.

Gotisches Maßwerkfenster des Kölner Doms mit feiner Steinmetz-Maßwerkgliederung und farbiger Glasmalerei.
Maßwerk und Glasmalerei im Dom — das steinerne Vorbild der gezeichneten Rose. Foto: Frank Vincentz (CC BY-SA 3.0).
157 m
Turmhöhe
632
Jahre Bauzeit
1880–84
Höchstes Gebäude der Welt
1942 – 1945

Das Wunder
in den Trümmern.

Vom Tausend-Bomber-Angriff am 31. Mai 1942 bis zum 2. März 1945 traf den Dom 14 schwere Spreng- und über 70 Brandbomben. Rundherum versank Köln: Schätzungen zufolge wurden rund 70 % der Innenstadt zerstört.

Der Dom aber blieb stehen. Versehrt, getroffen, notdürftig geflickt — und doch aufrecht über dem Trümmerfeld. Geschützt hatte auch, dass die mittelalterlichen Glasfenster und Ausstattungsstücke rechtzeitig ausgebaut worden waren. Zeitgenossen empfanden es als Wunder.

Dokumentarische Luftaufnahme vom 24. April 1945: der weitgehend intakte Kölner Dom ragt über der schwer zerstörten Innenstadt von Köln.
Köln, 24. April 1945 — der Dom über der zerstörten Stadt. U.S. Army Signal Corps, U.S. National Archives (NARA 531287), Public Domain.
Der Dom blieb stehen.“

Eine hellere Stelle am Nordturm-Bereich, die „Domplombe" aus Backstein (1944), blieb lange als sichtbare Kriegsnarbe erhalten — ein stilles Symbol des Überlebens, ehe sie behutsam ersetzt wurde.

Heute · Welterbe

Nie ganz fertig.

Seit 1996 ist der Kölner Dom UNESCO-Welterbe. Mit Millionen Besuchern jährlich zählt er zu den meistbesuchten Bauwerken Deutschlands.

Und doch ist er nie wirklich vollendet: Die Dombauhütte arbeitet ununterbrochen. Was an der einen Seite restauriert ist, bröckelt an der anderen — der Dom wird, sagt man in Köln, niemals fertig. Genau das hält ihn lebendig.

1996
UNESCO-Welterbe
157 m
Höchste gotische Kathedrale
Dombauhütte
Kölner Dom, Westfassade mit beiden Türmen. Westfassade · beide Türme