Um 1900 war Ungarn die zweite Hälfte einer Doppelmonarchie: mit eigenem Parlament, eigener Hauptstadt, eigenem Selbstbewusstsein — aber ohne eigene Architektursprache. Gebaut wurde, was Wien, Paris und Berlin vorgaben: Neorenaissance, Neogotik, Neobarock.
Die Magyar Szecesszió setzte dem etwas entgegen. Sie ist die ungarische Spielart des Jugendstils, verwandt mit der Wiener Secession und dem europäischen Art Nouveau — und doch eigenständig, weil sie aus drei Quellen schöpfte, die keine westliche Bewegung teilte.
Ihr Wortführer war Lechner Ödön. Die Generation nach ihm — die Fiatalok, „die Jungen", um Kós Károly — suchte dieselbe Identität noch weiter östlich, in der Holzarchitektur Siebenbürgens.
- Volkskunst
- Tulpen, Nelken und Ranken von bemalten Truhen, gestickten Hemden und geschnitzten Hirtenstäben — eine Bildsprache, die es seit Jahrhunderten gab, aber nie an einem Gebäude.
- Der Osten
- Persische, türkische und indische Vorbilder: gekachelte Kuppeln, flächiges Ornament. Für Lechner keine Exotik, sondern der Versuch, eine östliche Herkunft der Ungarn sichtbar zu machen.
- Der Werkstoff
- Pyrogranit und Eosin aus der Manufaktur Zsolnay in Pécs — Architekturkeramik, die Frost und Regen standhält. Ohne sie bliebe farbiges Ornament eine Innenraum-Angelegenheit.