1896 zeigte Henri Becquerel, dass Uransalze von selbst eine durchdringende Strahlung aussenden. Alle sahen darin eine Kuriosität. Marie Curie machte daraus eine Messaufgabe.
Statt Fotoplatten zu beschlagen, maß sie: Mit dem piezoelektrischen Verfahren, das Pierre und sein Bruder Jacques entwickelt hatten, bestimmte sie, wie stark eine Substanz die Luft leitfähig macht. Aus einem Eindruck wurde ein Zahlenwert — und Zahlenwerte lassen sich vergleichen.
Zwei Ergebnisse veränderten die Physik. Erstens: Die Strahlung hing allein von der Menge des enthaltenen Urans ab, nicht von der chemischen Verbindung, nicht von Temperatur oder Licht. Sie musste also eine Eigenschaft des Atoms selbst sein — für ein Zeitalter, das Atome für unteilbar und unveränderlich hielt, ein Affront. Zweitens: Pechblende strahlte deutlich stärker, als ihr Urangehalt erlaubte. Das Erz enthielt etwas, das niemand kannte.
Für das Phänomen prägten die Curies einen Namen, den es vorher nicht gab: Radioaktivität. Und aus der zweiten Beobachtung wurde eine Arbeitsanweisung, die vier Jahre dauern sollte — man musste das Unbekannte aus dem Erz herausholen. Nicht theoretisch. Von Hand.