Robert Capa · geb. Endre Ernő Friedmann · Bilder aus nächster Nähe
Der vielleicht berühmteste Kriegsfotograf des 20. Jahrhunderts — erzählt nicht über den Krieg, sondern über das Medium seines Handwerks: den schwarz-weißen Kontaktbogen, auf dem ein Konflikt zu einzelnen Bildern wird.
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01 Wer war er
Geboren am 22. Oktober 1913 in Budapest als Endre Ernő Friedmann, in eine jüdische Schneiderfamilie. Mit achtzehn verließ er Ungarn wegen vermeintlich linker Sympathien und ging nach Berlin — Studium, Dunkelkammer-Assistenz, erste Arbeit bei der Agentur Dephot.
Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten floh er 1933 weiter nach Paris. Dort, als mittelloser Emigrant unter vielen, erfand er sich neu — und wurde zu Robert Capa.
Sein jüngerer Bruder Cornell Capa wurde selbst Fotograf und gründete später das International Center of Photography, das heute Roberts Werk bewahrt.
02 — Die erfundene Figur
Der Name „Robert Capa" war eine gemeinsam mit Gerda Taro erfundene Kunstfigur: ein angeblich erfolgreicher, mysteriöser amerikanischer Starfotograf, dessen Bilder sich teurer verkaufen ließen als die des unbekannten Emigranten Friedmann. Der Name spielte auf seinen Budapester Spitznamen „Cápa" an — ungarisch für „Hai".
Aus Endre Friedmann wurde Capa — und aus Gerta Pohorylle wurde Gerda Taro. Sie war keine bloße Muse: eine eigenständige Fotografin, Mitautorin der Bildlegende, die ihre Bilder zunehmend unter eigenem Namen veröffentlichte.
Am 26. Juli 1937 starb Taro im Spanischen Bürgerkrieg — einen Tag zuvor nahe Brunete bei einem Unfall mit einem Panzer tödlich verletzt. Capa hat das nie verwunden; er heiratete nie.
Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.
„If your pictures aren't good enough, you're not close enough."
Robert Capa zugeschrieben · Erstbeleg nicht zweifelsfrei dokumentiert
04 — Das Werk
Capa fotografierte fünf große Konflikte. Sachlich, ohne Pathos — die Bilder hier sind gekennzeichnete Illustrationen, keine Originale.
1936 — 1939
Der Spanische Bürgerkrieg — Capas Durchbruch und der Schauplatz von „The Falling Soldier".
1938
Der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg — Capa dokumentiert den Widerstand für die internationale Presse.
1943 — 1945
Italien, die Normandie, der Vormarsch durch Frankreich und Deutschland — darunter Omaha Beach.
1948
Der Israelische Unabhängigkeitskrieg — Capa begleitet die Gründungsjahre des neuen Staates.
1954
Der Erste Indochinakrieg — Capas letzter Auftrag für das LIFE-Magazine. Sein letzter Film.
„Ich hoffe, für den Rest meines Lebens als Kriegsfotograf arbeitslos zu bleiben." — Capa zugeschrieben; sein Wunsch, nie wieder einen Krieg fotografieren zu müssen.
05 — Ein berühmtes Bild
Am 5. September 1936 im Spanischen Bürgerkrieg entstand Loyalist Militiaman at the Moment of Death — der fallende Soldat. Es wurde eines der berühmtesten Kriegsfotos überhaupt: das Sinnbild des Augenblicks zwischen Leben und Tod.
Seit etwa 1975 steht der Vorwurf im Raum, die Aufnahme könnte gestellt sein. Spätere Recherchen verorten sie zudem nicht beim angegebenen Cerro Muriano, sondern rund 50 km entfernt bei Espejo.
Bis heute ist der Streit nicht abschließend geklärt. Wir zeigen das Bild hier deshalb weder als bewiesene Fälschung noch als gesichertes Echtbild — sondern als das, was es ist: einen ungelösten Fall.
Zeitliche und örtliche Unstimmigkeiten, die Position des Fotografen und die Negativ-Sequenz nähren den Verdacht einer gestellten oder bei einer Übung entstandenen Szene.
Andere halten die Aufnahme für authentisch und verweisen auf die Bedingungen an der Front 1936 — ein endgültiger Beweis in die eine oder andere Richtung fehlt.
06 — 6. Juni 1944
Am D-Day, dem 6. Juni 1944, war Capa als einziger Fotograf in einer der ersten Landungswellen am Omaha Beach — beim 16. Infanterieregiment der 1. US-Infanteriedivision. Überliefert ist: von rund 106 Aufnahmen überlebten nur elf — die „Magnificent Eleven".
Ihre Unschärfe und Körnigkeit wurde ikonisch — sie prägte das Bild des Tages und inspirierte später unter anderem Spielbergs „Der Soldat James Ryan". Capas Credo wurde hier zur Erfahrung: näher dran ging kaum.
Die populäre Erzählung: Ein überhitzter Trockenschrank im LIFE-Labor in London habe die Negative zerstört — nur elf Bilder hätten überlebt.
Diese Legende ist fachlich umstritten. Neuere Recherchen (u. a. von A. D. Coleman) bezweifeln sowohl die Zahl von 106 Aufnahmen als auch den Trockenschrank-Unfall — und legen nahe, dass es nie mehr als elf brauchbare Bilder gab. Wir erzählen sie deshalb als Legende mit Fragezeichen.
07 — 1947, Paris
Die erste Fotografen-Kooperative, die den Fotografen die Rechte an ihren eigenen Bildern sicherte — ein Wendepunkt für den Berufsstand.
Capa gehörte 1947 in Paris zu den Gründern. Die Idee war so einfach wie radikal: Nicht das Magazin, sondern der Fotograf behält die Rechte an seinen Bildern und bestimmt, wie sie verwendet werden. Capa war ab 1952 Präsident von Magnum — bis zu seinem Tod 1954.
Oft mitgenannt: Rita Vandivert als erste Präsidentin der Kooperative und Maria Eisner in der Geschäftsführung.
08 Das Credo, noch einmal
Nähe war keine Technik. Sie war eine Haltung.
Capa war kein Zyniker, sondern ein leidenschaftlicher, charmanter Spieler — einer, der am Leben hing und gerade deshalb so nah an den Tod heranging. Seine Bilder suchen nicht das Spektakel, sondern den Menschen: die Geste, das Gesicht, den Augenblick.
Drei Bücher halten diese Haltung fest: Slightly Out of Focus (1947, sein Kriegsmemoir), Death in the Making (1938, mit Gerda Taro) und A Russian Journal (1948, mit John Steinbeck).
Zitate als Capa zugeschrieben gekennzeichnet · Erstbelege nicht in allen Fällen zweifelsfrei dokumentiert.
09 — 25. Mai 1954
Am 25. Mai 1954 begleitete Capa im Ersten Indochinakrieg eine Truppenbewegung im Rotes-Fluss-Delta (Provinz Thái Bình, damals Französisch-Indochina, heute Vietnam). Er trat auf eine Landmine. Er wurde 40 Jahre alt — und gilt als der erste US-Reporter, der in Vietnam fiel.
10 — Vermächtnis
Sein Bruder Cornell Capa gründete 1974 das International Center of Photography (ICP) in New York — auch, um Roberts Werk zu bewahren. Das ICP verwaltet heute das Robert-Capa-Archiv. In Budapest erinnert das Capa Center an ihn.
Sein größtes Vermächtnis ist eine Haltung: ein Fotojournalismus aus nächster Nähe, der den Menschen ins Bild rückt — und Magnum, die Kooperative, die den Fotografen ihre Bilder zurückgab.
Zum 100. Geburtstag 2013: ungarische Briefmarke und Goldmünze (5000 Forint).