Die Korona
Die äußere, millionengrad-heiße Atmosphäre der Sonne — ein perlweißer Strahlenkranz. Sichtbar ausschließlich während der Totalität, sonst vom Tageslicht überstrahlt.
Die totale Sonnenfinsternis — der Moment, in dem der Tag zur Nacht wird.
Für wenige Minuten schiebt sich der Mond exakt vor die Sonne. Das gleißende Tageslicht erlischt, der Horizont glüht ringsum, und die sonst unsichtbare Korona blüht auf. Scrollen Sie weiter — und erleben Sie, wie es dunkel wird.
↓ Der Mond wandert
01 Der kosmische Zufall
Die Sonne ist rund 400-mal weiter entfernt als der Mond — und ihr Durchmesser ist rund 400-mal größer. Beide Verhältnisse heben sich auf: Am Himmel erscheinen sie nahezu gleich groß, jeweils etwa 0,5°. Nur dieser Zufall macht eine totale Finsternis überhaupt möglich.
Stünde der Mond ein Stück weiter weg, könnte er die Photosphäre — die gleißende Sonnenscheibe — nie ganz verdecken. Stünde er näher, bliebe die Korona verborgen. Erst die fast perfekte Überdeckung legt für Minuten die Million Grad heiße Sonnenatmosphäre frei.
02 Was man nur jetzt sieht
Wenn die Photosphäre verdeckt ist, fällt der Schleier des Tageslichts. Für wenige Minuten zeigt sich, was sonst überstrahlt bleibt — und der ganze Himmel verändert sein Gesicht.
Die äußere, millionengrad-heiße Atmosphäre der Sonne — ein perlweißer Strahlenkranz. Sichtbar ausschließlich während der Totalität, sonst vom Tageslicht überstrahlt.
Ein schmaler rötlicher Saum am Sonnenrand und glühende Gas-Bögen — Protuberanzen —, die Zehntausende Kilometer ins All ragen.
Weil der Kernschatten nur ein schmales Band ist, glüht der gesamte Horizont ringsum wie ein Sonnenuntergang in alle Richtungen — eine 360°-Dämmerung.
Im plötzlichen Dunkel treten helle Sterne und Planeten hervor — dieselbe Dunkelheit, die 1919 die Sterne neben der Sonne sichtbar machte (siehe unten).
03 Der Pfad der Totalität
Den vollen Anblick gibt es nur im Kernschatten — der Umbra. Dieses Band ist überraschend schmal und zieht mit enormem Tempo über die Erde. Wer auch nur knapp daneben steht, sieht bloß eine partielle Finsternis.
04 Wie lange? Wie oft?
Die Totalität ist kurz und kostbar. Irgendwo auf der Erde ereignet sie sich regelmäßig — an einem bestimmten Ort jedoch nur einmal in vielen Menschenleben.
05 Der Saros-Zyklus
Sonne, Erde und Mond kehren nach einem Saros in eine fast identische Stellung zurück — und erzeugen eine fast identische Finsternis.
Weil der Zyklus nicht ganz auf volle Tage aufgeht, dreht sich die Erde um etwa ein Drittel weiter: Jeder Pfad verschiebt sich um rund 120° nach Westen. Erst nach drei Saros — einem Exeligmos, gut 54 Jahren — fällt eine Finsternis wieder in eine ähnliche Region.
06 1919 · Die Finsternis, die Einstein bewies
Am 29. Mai 1919 nutzte die Eddington-Expedition die Totalität, um eine kühne Vorhersage zu prüfen: Krümmt die Schwerkraft der Sonne das Licht ferner Sterne? Nur weil die Korona-Dunkelheit die Sterne am Taghimmel zeigte, ließ sich ihre scheinbare Verschiebung messen.
Verkündet am 6. November 1919 auf einer gemeinsamen Sitzung der Royal Society und der Royal Astronomical Society in London. Über Nacht wurde Einstein weltberühmt — und die Allgemeine Relativitätstheorie verließ den Bereich der reinen Theorie.
Nur während der Totalität — wenn die Sonnenscheibe vollständig verdeckt ist — darf man die Finsternis ohne Filter mit bloßem Auge betrachten. Diese wenigen Minuten sind die einzige sichere Ausnahme.
In allen anderen Phasen — partiell, beim Diamantring, bei den Baily's Beads — ist eine zertifizierte Sonnenfinsternis-Brille nach ISO 12312-2 zwingend. Normale Sonnenbrillen, belichtete Filme oder geschwärztes Glas genügen nicht. Ungeschützter Blick kann zu bleibenden, schmerzlosen Netzhautschäden führen.