Vincent Willem van Gogh wird am 30. März in eine protestantische Pfarrersfamilie geboren.
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Vincent van Gogh · 1853–1890
Im Juni 1889, eingewiesen in eine Heilanstalt bei Saint-Rémy, malte van Gogh aus dem Gedächtnis einen Nachthimmel, der sich bis heute dreht.
Das berühmteste Nachtbild der Kunstgeschichte entstand nicht unter freiem Himmel.
„Die Sternennacht" entstand im Juni 1889 in der Heilanstalt Saint-Paul-de-Mausole bei Saint-Rémy-de-Provence, in die sich van Gogh nach der Krise von Arles freiwillig begeben hatte. Aus dem vergitterten Fenster seines Zimmers blickte er nach Osten — auf die Hügelkette der Alpilles und den Himmel kurz vor Sonnenaufgang.
Doch er malte nicht ab, was er sah. Er arbeitete tagsüber, aus dem Gedächtnis und der Vorstellung, in mehreren Sitzungen. Den wirbelnden Himmel, die elf überdimensionalen Sterne und die helle Mondsichel erfand er ebenso wie das schlafende Dorf mit dem schlanken Kirchturm — ein nordisch-spitzer Turm, wie er in der Provence gar nicht steht. Allein die dunkle Zypresse holte er nah an den Betrachter heran, als Brücke zwischen Erde und Firmament.
Tippen Sie die leuchtenden Punkte an — jedes Bildelement erzählt etwas anderes.
Knapp zehn Jahre Malerei — verdichtet zu einem der bewegtesten Lebensläufe der Kunst.
Vincent Willem van Gogh wird am 30. März in eine protestantische Pfarrersfamilie geboren.
Kunsthändler bei Goupil & Cie, später Hilfslehrer und Laienprediger. Der Beruf will nicht halten.
Mit 27 der Entschluss, Künstler zu werden. Von hier an trägt ihn sein Bruder Theo ein Leben lang finanziell und seelisch.
„Die Kartoffelesser" — erdige, dunkle Bauernbilder. Die Palette ist noch braun und schwer.
Begegnung mit Impressionismus und Pointillismus. Die Farben werden hell, die Striche kürzer und freier.
Eine glühende Schaffensphase: Sonnenblumen, Caféterrasse, das Schlafzimmer. Ende Dezember die Krise und die Verletzung des eigenen Ohrs nach dem Zerwürfnis mit Paul Gauguin.
Freiwillige Einweisung in die Anstalt Saint-Paul-de-Mausole. Zwischen den Anfällen malt er unablässig — hier entsteht „Die Sternennacht".
Unter Obhut von Dr. Paul Gachet entstehen rund 70 Bilder in etwa 70 Tagen. Am 29. Juli stirbt Vincent mit 37 Jahren an den Folgen einer Schussverletzung — nach überlieferter Lesart durch eigene Hand.
Über 800 Briefe sind erhalten, die meisten an seinen Bruder Theo — eine der wichtigsten Selbstzeugnis-Quellen der Kunstgeschichte und heute gemeinfrei. In ihnen denkt van Gogh über Farbe, Glaube und Tod nach, lange bevor er die Sternennacht malt.
Ich habe ein ungeheures Bedürfnis nach — soll ich das Wort sagen — nach Religion; dann gehe ich nachts hinaus, um die Sterne zu malen.An Theo van Gogh Arles, September 1888 Brief 691
So, wie wir den Zug nehmen, um nach Tarascon oder Rouen zu fahren, nehmen wir den Tod, um zu einem Stern zu gelangen.An Theo van Gogh Arles, Juli 1888 Brief 638
Oft scheint mir die Nacht noch viel lebendiger und reicher gefärbt als der Tag.An Theo van Gogh Arles, September 1888 Brief 676
Eine kleine Auswahl gemeinfreier Hauptwerke — echte Reproduktionen, nichts Nachgestelltes.






Statt zu versuchen, genau wiederzugeben, was ich vor Augen habe, gebrauche ich die Farbe willkürlicher, um mich kräftiger auszudrücken.Vincent van Gogh an Theo · Arles, August 1888 · Brief 663
Van Gogh trug die Farbe oft direkt aus der Tube auf, in dicken, gerichteten Strichen. Die Spur des Pinsels bleibt sichtbar — das Bild wird zur Landschaft aus Farbe.
Er suchte den Zusammenstoß gegensätzlicher Farben — das Chromgelb der Sterne gegen das Kobalt- und Preußischblau des Himmels —, damit beide umso stärker leuchten.
Wellen, Spiralen und Wirbel ordnen die Striche zu einem Puls. Selbst der ruhende Himmel scheint zu atmen.
In rund zehn Jahren schuf van Gogh etwa 900 Gemälde und 1100 Zeichnungen — und verkaufte kommerziell so gut wie nichts. Als das meistgenannte zu Lebzeiten verkaufte Werk gilt „Der rote Weinberg" (1888); einzelne weitere Verkäufe und Tausche sind belegt, doch ein Auskommen wurde daraus nie.
Der Weltruhm kam posthum — wesentlich durch Theos Witwe Jo van Gogh-Bonger, die nach dem frühen Tod beider Brüder den Nachlass hütete: Sie sammelte die Bilder, gab die Briefe heraus und stellte das Werk unermüdlich aus, bis die Welt es sah. 1941 ging „Die Sternennacht" als Vermächtnis von Lillie P. Bliss an das MoMA in New York.